Ambulante Kinderchirurgie

Unser aktuelles Thema

Ambulant oder stationär operieren?

Einer vom Bundesverband Ambulantes Operieren veröffentlichten Statistik zufolge werden in Deutschland nur knapp 40 % aller Operationen ambulant durchgeführt (2004). Man könnte sagen, daß Deutschland in dieser Hinsicht noch ein Entwicklungsland ist, denn in anderen Industriestaaten wie z.B. USA, Kanada, Großbritannien oder Norwegen ist dieses Verhältnis genau umgekehrt. So lag die Rate der ambulanten Operationen in den USA im gleichen Zeitraum beispielsweise bei 80 %.
Den kaum kostendeckenden Vergütungen in Deutschland ist es geschuldet, daß die meisten dieser ambulanten Operationen nicht im Krankenhaus stattfinden, sondern in niedergelassenen vertragsärztlichen Praxen. Im Vergleich zu den hohen Aufwendungen und Betriebskosten im Krankenhaus können sich niedergelassene Ärzte offenbar besser und effizienter organisieren und akzeptieren auch geringere Vergütungen, selbst wenn dies zu ihrem eigenen Nachteil ist. Für die Patienten hat diese durch die Gesundheitspolitik vorgegebene wenig befriedigende Situation dennoch viele nicht wegzudenkende Vorteile. Sie können sich vor Ort ambulant von „ihrem“ Facharzt, den sie u.U. schon lange vorher kennen, operieren lassen, in weit weniger anonymen Strukturen, meist angenehm gestalteten Räumlichkeiten und was besonders wichtig ist, mit einer modernen Ausstattung, die der einer Klinik in nichts nachsteht.

Für ihre Kinder wollen Eltern nur das Beste

Auch kleine Menschen können so krank werden, daß eine Operation unabdingbar ist. Dieser Gedanke verursacht vielen Eltern Bauchschmerzen, da sie sich auf der einen Seite nur das Beste für ihr Kind wünschen, auf der anderen Seite aber oft von dem, was da auf sie zukommt, überfordert fühlen. Auf einmal stehen viele Fragen im Raum, die nach einer Antwort drängen. Nicht zuletzt die Frage, müssen wir mit unserem Kind ins Krankenhaus oder können wir es auch ambulant operieren lassen. Welche Vor- oder gar Nachteile hat die eine oder die andere Variante? Worauf müssen wir achten und wohin können wir uns wenden?
Wir möchten versuchen, Ihnen als besorgten Eltern bei diesen Problemen ein bißchen weiter zu helfen …

Wohin wenden?

Die richtige Adresse für die Operation ihres Kindes ist immer die Fachärztin oder der Facharzt für Kinderchirurgie, denn dieser hat eine langjährige spezielle Ausbildung genau für dieses Fachgebiet durchlaufen.
Kinderchirurgen versuchen, den altersabhängigen Besonderheiten eines jeden Kindes gerecht zu werden und wissen genau worauf sie achten müssen. Sie sind besonders erfahren darin, in die teilweise winzigen oder sehr empfindlichen Körperteile und -organe von Kindern schonend und mit aller gebotenen Vorsicht einzugreifen. Insbesondere berücksichtigen sie dabei, daß die kleinen Patienten weiter wachsen und sich daher der operierte Bereich weiter verändern wird.

Die Belastung für Kinder reduzieren

Für Kinder ist jede medizinische Behandlung nicht so einfach zu verkraften. Unbekannte Personen in einer fremden Umgebung, möglicherweise Nächte ohne Eltern, Schmerzen, Ängste oder einfach nur Langeweile – vieles kann für die kleinen Patienten ganz schön belastend sein.
Häufig lässt sich jedoch ein stationärer Aufenthalt bei notwendigen operativen Eingriffen vermeiden und die Problematik damit deutlich reduzieren. In den meisten Fällen können so Eltern ihre Kinder nach dem Eingriff wieder mit nach Hause nehmen. In ihrem vertrauten Umfeld, umgeben von ihren eigenen Spielsachen und umsorgt von den engsten Bezugspersonen, erholen sich die Kleinen in der Regel rasch. Um dem Kind den Aufenthalt so stressfrei wie möglich zu gestalten, sollten das Lieblingskuscheltier oder andere tröstende Dinge nicht vergessen werden. Wichtig ist, daß die Eltern gegenüber ihrem Kind eine positive Grundstimmung erkennen lassen und ihre eigenen Ängste in den Hintergrund stellen. Entsprechenden Wissensdurst vorausgesetzt kann man auch im Vorfeld mit dem Kind über den Eingriff sprechen oder nähere Einzelheiten erklären. Damit wird die Behandlung für das Kind weniger rätselhaft und verliert den Schrecken des Unbekannten. Auf nicht einhaltbare Versprechen („Es tut auch gar nicht weh“) sollten die Eltern allerdings verzichten. In den ersten Tagen nach einem ambulanten Eingriff darf man dem Kind überdies nicht zu viel zumuten; Ruhe und spielerische Entspannung unterstützen den Heilungsprozeß.

Die Vorteile einer ambulanten Operation

  • eine individuelle Betreuung durch Spezialisten und Fachpersonal
  • eine sichere, kurzzeitige und gut verträgliche Narkose
  • Eltern können als engste Bezugspersonen bei ihren Kindern bleiben
  • Kinder kehren schnell wieder in ihr gewohntes Umfeld zurück
  • Gewährleistung einer sicheren Nachsorge und Ansprechpartner bei Problemen
  • rasche Mobilisation mit hervorragenden Genesungschancen

Welche Eingriffe ambulant?

Indikationen, bei denen die OP nicht lange dauert und die relativ komplikationslos wieder verheilen, sind gut für den ambulanten Bereich geeignet. So werden in unserem OP-Zentrum z.B. Fehlbildungen an den Extremitäten, Leisten- und Nabelbrüche, Hydrozelen (Wasserbruch), Kniekehlenzysten, Muttermale, gutartige Hauttumore, Hämangiome (Blutschwämmchen) und Überbeine operiert, Vorhautverengungen beseitigt, zu kurze Bändchen an Zunge oder Lippen gelöst oder Metallteile nach Knochenbruchbehandlungen entfernt.

Meistens unter Vollnarkose

Es hat sich bewährt, die meisten Operationen bei Kindern unter Vollnarkose durchzuführen. Kinder können nun einmal schlecht stillhalten, erstrecht wenn sie sich durch die ungewohnte medizinische Umgebung und die Operation selbst gestresst fühlen. Glücklicherweise gibt es heutzutage sichere und ausgereifte Narkosetechniken, sodaß Zwischenfälle kaum zu befürchten sind. Die Vitalparameter des Kindes (Herzschlag, Sauerstoffsättigung des Blutes, Blutdruck, Beatmungswerte) werden während der Operation ununterbrochen technisch überwacht und von einem Facharzt für Anästhesie im Auge behalten. Spezielle, der Körpergröße des Kindes angepaßte Beatmungsmasken (Larynxmasken), die sich über den Kehlkopf legen, ersetzen mittlerweile in der Mehrzahl der Fälle den klassischen Beatmungsschlauch (Tubus). Die empfindlichen Atemwege von Kindern werden dadurch geschont. Nicht zuletzt existieren mittlerweile gut verträgliche Narkosemedikamente, mit denen sich Intensität und Dauer der Narkose genau steuern lassen.

Nachsorge

Nach fast allen ambulanten Eingriffen brauchen die Kinder keine strenge Bettruhe einzuhalten und es ist keine komplizierte Wundbehandlung oder Nachsorge erforderlich.
Trotzdem ist der Heilungserfolg natürlich auch von der verantwortlichen Mitarbeit und Fürsorge der Eltern abhängig, die bei jedem ambulanten Eingriff gesichert sein muss. Oft ist es nicht einfach, ein quirliges Kleinkind ohne Medikamente dazu zu bringen, es nach der Operation etwas ruhiger angehen zu lassen. Hier ist die Kreativität der Eltern gefordert, die meist am besten wissen, wie sich ihr Kind beruhigen, ablenken und beschäftigen lässt. Auch sollte das Kind immer unter Aufsicht bleiben, damit Probleme (z.B. Nachblutungen) rasch erkannt und die nötigen Maßnahmen ergriffen werden können. Natürlich ist die Nachsorge nach einer ambulanten Operation gut geregelt und bei auftretenden Problemen stehen jederzeit Kinderchirurg oder Anästhesist telefonisch oder persönlich zur Verfügung.

Und wann ins Krankenhaus?

Eltern sollten jedoch wissen, daß trotz aller Vorteile ambulante Operationen nicht für jedes Kind geeignet sind. Für einen stationären Aufenthalt sollte man sich entscheiden

  • bei ehemaligen Frühgeborenen
  • bei Kindern unter einem Jahr
  • bei Kindern mit chronischen Grunderkrankungen (Herzkrankheiten, Diabetes, Blutgerinnungsstörungen u.a.)
  • bei Blinddarmoperationen
  • bei laparoskopischen OPs
  • bei operativen Behandlungen von Knochenbrüchen

Wichtig ist auch das soziale Umfeld der kleinen Patienten. Wenn die Eltern beruflich sehr eingespannt sind, nicht die ganze Zeit da sein können, selbst gesundheitliche Probleme haben oder gleichzeitig jüngere Geschwister versorgen müssen, sollte man sich besser für einen Aufenthalt im Krankenhaus entscheiden.

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