Appendektomie

Appendektomie


 

Blinddarm und Appendix

Der Blinddarm ist der 6 – 8 cm lange, blind endende, sackförmige Anfangsteil des Dickdarms. In den Blinddarm stülpt sich der untere Teil des Dünndarms, das Ileum. Vom Blinddarm geht außerdem der sogenannte Wurmfortsatz (Appendix) ab. Umgangssprachlich wird der Wurmfortsatz meist mit dem eigentlichen Blinddarm verwechselt. Mit „Blinddarmentzündung“ ist demzufolge eigentlich die sogenannte Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes) gemeint. Allerdings kann sich eine Appendizitis in schweren Fällen auf den Blinddarm ausdehnen und eine tatsächliche Blinddarmentzündung (Typhlitis) verursachen. Der Wurmfortsatz selber kann 10 cm lang werden.
Erst neuere Studien haben übrigens nachgewiesen, daß es sich nicht um ein gänzlich überflüssiges „Anhängsel“ handelt, da der Wurmfortsatz mit reichlich Lymphgewebe ausgestattet ist und eine gewisse Vermittlungsfunktion zwischen Immunsystem und Verdauungstrakt ausübt.
Eine Entzündung des Wurmfortsatzes kann durch eine Infektion mit Krankheitserregern ausgelöst werden, häufiger ist jedoch die Ursache in einer Verlegung durch Kotsteine oder Fremdkörper (z.B. Kirsch- oder andere Obstkerne) zu suchen.


 

Diagnose

Die sichere Diagnosestellung ist nicht immer einfach, da viele andere Erkrankungen im rechten Unterbauch u.U. ähnliche Beschwerden verursachen (Differenzialdiagnosen). Kommt ein Patient mit Verdacht auf eine „Blinddarmentzündung“, so wird der Arzt als erstes versuchen klinisch durch Befragung und manuelle Untersuchung herauszufinden, ob dieser Verdacht begründet ist. Verbreitete Symptome sind Schmerzen in der Gegend des Bauchnabels oder des Magens, die sich innerhalb weniger Stunden in den rechten Unterbauch verlagern. Damit verbunden sind desöfteren Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Auch Körpertemperatur und Puls können deutlich erhöht sein.
Neben der herkömmlichen Anamnese wird häufig auch die Ultraschalluntersuchung und eine Überprüfung von bestimmten Blutwerten im Labor herangezogen. Bei schwierigen Untersuchungsumständen (z.B. bei adipösen Patienten) kann auch eine Computertomographie (CT) hilfreich sein.

Appendektomie

Erst im 19. Jh. erkannte man, daß die Appendizitis für die damals nicht selten tödliche Phlegmone (eitrige Weichteilinfektion) im rechten Unterbauch verantwortlich ist. In den meisten Fällen kann nur die Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes (Appendektomie) die Erkrankung stoppen und Schlimmeres (z.B. die Perforation des Darmes) verhindern.
Nachdem amerikanische Chirurgen gegen Ende des 19. Jh. eine einfache und sichere Operationstechnik entwickelt hatten, konnte die Sterblichkeitsrate deutlich gesenkt werden. Trotz dieses großen Erfolgs ist es falsch anzunehmen, bei der Appendektomie würde es sich um einen simplen „Allerweltseingriff“ der Chirurgie handeln. Denn zum einen sterben immer noch zwischen 1 und 5 % der Patienten mit einer „Blinddarmentzündung“, zum anderen sind nicht alle chirurgischen Probleme im Zusammenhang mit der Appendektomie gelöst. So kommt es in der Folge (auch nach Jahren noch) zu Darmverschlüssen oder Verwachsungen. Insbesondere nach klassisch offenen Operationen sind Komplikationen wie Wundheilungsstörungen zu beobachten. Auch hier gibt die laparoskopische Durchführung der Operation Anlaß, deutliche Verbesserungen zu erwarten.

Laparoskopische Operation

Bei begründetem Verdacht auf eine Appendizitis empfiehlt man die operative Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes in einem Zeitraum von 12 – 24 Stunden. Da die minimal-invasive Laparoskopie keine weitere Vorbereitung des Patienten erfordert (für die Narkose muß er lediglich 6 h nüchtern sein), kann sie relativ schnell als Methode der Wahl eingesetzt werden. Dabei ist sie zum einen diagnostisches Mittel, um Differenzialdiagnosen auszuschließen, zum anderen aber zeitgleich die fortschrittlichste Operationsmethode, sollte sich der Verdacht auf eine Appendizitis während des Eingriffs bestätigen. Selbst bei fortgeschrittener Appendizitis (und nur begrenzter Bauchfellentzündung) kann immer noch laparoskopisch operiert werden. Die Anwendung der minimal-invasiven Methode vermindert dabei das Risiko von Verwachsungen im Bauchraum.

Vorgehensweise bei der laparoskopischen Appendektomie

Wie bereits bei den anderen laparoskopischen Operationen geschildert, wird über einen Minimalschnitt ein Zugang zur Bauchhöhle hergestellt und diese mit Kohlendioxid-Gas aufgefüllt. Durch einen Trokar führt man das mit einer Kamera ausgestattete Laparoskop ein und untersucht damit die gesamte Bauchhöhle, um keine Begleiterkrankungen zu übersehen. Danach werden im rechten und linken Unterbauch zwei weitere Zugänge mit Trokaren geschaffen, die als Arbeitskanäle dienen, durch die weitere Instrumente in den Bauchraum gebracht werden können. Mit einer elektrischen Schere durchtrennt man nun schrittweise das Aufhängeband des Wurmfortsatzes, bis dessen Basis freipräpariert ist. Der Wurmfortsatz wird anschließend mit einer Fadenschlinge um die Basis verschlossen und durchtrennt. Den entzündeten Wurmfortsatz zieht man durch einen Trokar heraus. Der verbleibende Stumpf wird desinfiziert und das Operationsgebiet noch einmal genau inspiziert, um keine Blutungen oder Organverletzungen zu übersehen. Unter Kamerasicht werden die Trokare entfernt, der Bauch entlüftet und die Schnitte durch kleine Nähte verschlossen.

Ablauf

Die Entfernung des Wurmfortsatzes bei Appendizitis wird von Chirurgen unseres OP-Zentrums in einer kooperierenden Klinik durchgeführt. Je nach Schwere der Erkrankung beträgt der Kliniksaufenthalt 3 – 5 Tage. Patienten werden also von unseren Praxisärzten und natürlich den Kliniksärzten vor Ort betreut.



Wie bei jedem anderen operativen Eingriff auch, können bestimmte Risiken bzw. in sehr seltenen Fällen Komplikationen auch durch größte Sorgfalt des Operationsteams nicht gänzlich ausgeschlossen werden. In einem ausführlichen persönlichen Aufklärungsgespräch werden daher vor der Operation mit dem Patienten Möglichkeiten und Grenzen der angewandten Methode, sowie mögliche Nebenwirkungen und Risiken besprochen.


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