Gallenblasenentfernung

Gallenblasenentfernung


Leber und Galle

Wenn umgangssprachlich von „der Galle“ die Rede ist, meint man meistens eigentlich die Gallenblase (Vesica fellea bzw. biliaris, lat.: vesica für „Blase“, fellis bzw. bilis für „Galle“).
Die Gallenblase ist ein Hohlorgan, das der Speicherung und Eindickung der von der Leber produzierten Gallenflüssigkeit (der eigentlichen „Galle“) dient, die für die Verdauung von Fetten im Darm benötigt wird. Wie bei der benachbart liegenden Bauchspeicheldrüse werden diese Verdauungssäfte über die Gallenwege in den Zwölffingerdarm ausgeschüttet.
Die menschliche Gallenblase ist normalerweise 6-10 cm lang und weniger als 4 cm breit und besitzt eine birnenförmige Gestalt. Sie liegt in der Gallenblasengrube an der Unterseite der Leber, kann aber auch vom Gewebe der Leber umschlossen sein. Zwischen den Mahlzeiten sind die Gallenwege normalerweise durch kleine Schließmuskel verschlossen und die Gallenflüssigkeit staut sich in der Gallenblase an, wird dort eingedickt und für den nächsten Verdauungsvorgang angereichert.

Wie entstehen Gallensteine?

Die Entstehung von Gallensteinen kann viele Ursachen haben. Als fördernde Faktoren werden im allgemeinen angesehen:


  • Schwangerschaft

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

  • Fettsucht

  • fettreiche Ernährung und überhöhter Cholesterinspiegel

  • entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn)

  • Zustand nach Dünndarmoperationen

  • chronische Verstopfung

  • Bewegungsmangel

  • schnelle Gewichtsabnahme bei Radikaldiäten

Voraussetzung ist dabei immer eine Verschiebung des Lösungsgleichgewichts zwischen den Gallensäuren und weiteren gelösten Substanzen (Calcium, Bilirubin, Cholesterin). Um „Kristallisationskerne“ als erste Ausfallprodukte lagern sich immer mehr Substanzen an, sodaß nach und nach feste Gebilde entstehen. Gallensteine findet man fast ausschließlich in der Gallenblase. Bei sehr jungen Menschen kann die Ursache auch in einer Aufbaustörung des roten Blutfarbstoffs (Porphyrie) liegen, dessen Vorläuferprodukte die Gallenkanalzellen schädigen.

Erkrankung und Symptome

In der Mehrzahl der Fälle verursachen Gallensteine keine Beschwerden. Sie werden vielmehr rein zufällig bei einer Untersuchung des Bauchraums (z.B. mit Ultraschall) entdeckt.
Etwa ein Drittel der Steinträger klagt über typische Symptome, zu denen Fettunverträglichkeit, Übelkeit und rechtsseitige Oberbauchschmerzen gehören. Auch schmerzhafte Koliken, die besonders nach fettreichen Mahlzeiten auftreten, sind ein deutlicher Hinweis auf ein Gallensteinleiden. Durch Reizung der Gallenblasenwand durch die Steine kann es zu einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) kommen, die bei chronischem Verlauf zur Ansammlung von Eiter in der Gallenblase und einem Gallenblasendurchbruch führen kann. Legen sich die Steine vor oder in die Gallenwege, kommt es zur Abflußbehinderung der Gallenflüssigkeit („Stauungsgallenblase“) und nicht selten zur Gelbsucht (Anreicherung des Gallefarbstoffs im Blut mit Gelbfärbung der Haut und der Augen). Da das in der Galle befindliche Calzium dann nicht mehr abtransportiert wird, lagert es sich in der Gallenblasenwand ein, wodurch die Gallenblase verhärtet („Porzellangallenblase“). Bei Verschluß des Bauchspeicheldrüsengangs kann es zu schweren Bauchspeicheldrüsenentzündungen kommen.

Untersuchungsverfahren

Besteht ein Verdacht auf eine Gallenblasenerkrankung oder auf das Vorliegen von Gallensteinen, gibt es mehrere Möglichkeiten der diagnostischen Abklärung:

Manuelle Untersuchung
Eine gesunde Gallenblase ist nicht tastbar. Bei einer Cholezystitis oder einer Stauung in der Gallenblase ist dies jedoch u.U. möglich. Im Bereich des Rippenbogens liegt meistens auch eine Druckempfindlichkeit bei der Einatmung vor.

Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
Die wichtigste Methode zur Abklärung eines Gallensteinleidens ist die bildgebende Diagnostik mittels Ultraschall. Oft sind die Steine schon im Ultraschallbild deutlich zu erkennen.

Auch eine Blutuntersuchung kann sehr hilfreich zur Beurteilung einer eventuellen Erkrankung sein. Zur Diagnostik eventuell anderer Ursachen bei unklaren Beschwerden kann auch eine Magenspiegelung durchgeführt werden. Weiterführende diagnostische Möglichkeiten wären CT- (Computertomographie) oder MRT-(Magnetresonanztomographie)-Untersuchungen oder eine ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiographie).

Chirurgie des Gallensteinleidens

Die Behandlung und ggf. der operative Ablauf, aber auch mögliche Risiken und Komplikationen, werden mit dem Patienten in einem ausführlichen Vorgespräch diskutiert.
In der Regel kommen folgende Möglichkeiten der Therapie in Frage:


  • Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie)

  • medikamentöse Lysetherapie (Auflösen der Gallensteine)

  • Stoßwellenlithotrypsie (Zertrümmerung)

Die Entfernung der Gallenblase hat sich dabei als Standardtherapie durchgesetzt und ist immerhin nach der Blinddarmentfernung der häufigste bauchchirurgische Eingriff. Lysetherapie bzw. Lithotrypsie sind aufgrund ihrer schlechten Ergebnisse bzw. zu erwartender Komplikationen nicht unbedingt zu favorisieren.

Operatives Vorgehen
Die Gallenblase kann in einer offenen Operation oder laparoskopisch entfernt werden. 1985 erfolgte die erste laparoskopische Gallenblasenentfernung. Als Laparoskopie (Bauchspiegelung) wird eine Methode bezeichnet, bei der die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe mit einem speziellen optischen Instrument (Endoskop) durch kleine Öffnungen in der Bauchdecke sichtbar gemacht werden. Auf diese Weise wird die Gallenblase unter Kamerasicht mit zusätzlich in den Bauchraum eingeführten Instrumenten freipräpariert und entfernt.
Mittlerweile gilt die minimalinvasive Laparoskopie („Schlüsselloch-Chirurgie“) als „Gold-Standard“ in der Behandlung des Gallensteinleidens. Gegenüber der konventionellen, offenen Methode weist die laparoskopische Technik eine Reihe von gravierenden Vorteilen auf:


  • weniger Schmerzen

  • geringere Einschränkung der Lungenfunktion

  • minimale Öffnungen in der Bauchdecke gegenüber einem großen Schnitt

  • kürzerer Krankenhausaufenthalt

  • schnellere Arbeitsfähigkeit

  • weniger Narbenbrüche

  • insgesamt bessere postoperative Lebensqualität

 

 

Nebenwirkungen und Komplikationen

Wie bei jedem anderen operativen Eingriff auch, können bestimmte Risiken bzw. in sehr seltenen Fällen Komplikationen auch durch größte Sorgfalt des Operationsteams nicht gänzlich ausgeschlossen werden. In einem ausführlichen persönlichen Aufklärungsgespräch werden daher vor der Operation mit dem Patienten Möglichkeiten und Grenzen der angewandten Methode, sowie mögliche Nebenwirkungen und Risiken besprochen.

Ablauf

Gallenblasenoperationen finden in den meisten Fällen unter stationären Bedingungen in einem mit unserer Praxis kooperierenden Krankenhaus statt. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 2-3 Tage. Hier werden die Patienten von unseren Praxisärzten wie auch den Kliniksärzten betreut.
Nach der stationären Behandlung erfolgt die weitere Betreuung durch den Hausarzt oder internistischen Facharzt.



Leben ohne Gallenblase?
Da die Gallenblase quasi nur ein Auffangbehälter für die Gallenflüssigkeit bildet, ist ihr Verlust in der Regel ohne Beschwerden verkraftbar. Die Gallenflüssigkeit fließt dann direkt von der Leber über den Gallengang in den Darm. Es gibt sogar Hinweise darauf, daß sich die Leber auf die veränderte Situation einstellt und nun mehr Gallenflüssigkeit produziert, um den fehlenden Vorrat auszugleichen. Eine spezifische „Galle-Diät“ gibt es nicht. Eine ballaststoffreiche und fettarme Ernährung ist jedoch empfehlen.

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