CHIVA Methode

CHIVA Methode



 

„CHIVA“ ist die Abkürzung für die originale französische Bezeichnung der Methode und heißt auf deutsch „ambulante, venenerhaltende, Blutfluß korrigierende Behandlung von Krampfadern“.

Es wird bewußt von „Behandlung“ und nicht von „Operation“ ge- sprochen. Die gesamte Behandlung umfaßt nämlich eine spezielle Ultraschalluntersuchung, eine verhältnismäßig kleine Operation und als Nachbehandlung das Tragen eines Kompressionsstrumpfes für eine kurze Zeit.

Das Prinzip
Das Prinzip der Operation im Rahmen der CHIVA-Behandlung beruht darauf, daß die Krampfadern sich zurückbilden, wenn der falsche Blutfluß ausgeschaltet wird. Wenn auch vielerorts behauptet wird, die Rückbildung einer Krampfader auf ihr ursprüngliches Kaliber sei nicht möglich, beruht diese Aussage nur auf Vermutungen. Wissenschaftliche Untersuchungen nach CHIVA haben jedoch belegt, daß die Venen sich auf ihren ursprünglichen Durchmesser zurückbilden. Dieses Ziel erreicht man, indem die Krampfadern nach feststehenden Grundsätzen an bestimmten Stellen unterbunden werden. Danach kann das Blut nicht mehr rückwärts in die Krampfadern eintreten. Das Blut aus den vielen gesunden Seitenästen kann dagegen auf normalem Wege abfließen. Die Venen werden wieder so dünn, wie sie früher einmal waren, als das zusätzliche Blut sie noch nicht gedehnt hatte.

 

Um zu zeigen, wie CHIVA im einzelnen durchgeführt wird, veranschaulichen wir das Prinzip an zwei Beispielen:



Abbildung 4 zeigt das Vorgehen bei einer einfachen Situation, wie sie in Abbildung 2 dargestellt ist. Die Mündung der Vena saphena magna in die tiefe Vene wird zugebunden, damit hier kein Blut mehr rück- wärts eintreten kann. Dabei dürfen die gesunden Seitenäste nicht mit unterbunden werden. Die Unter- bindungsstelle ist mit einem „grü- nen Strich“ gekennzeichnet.

Das Blut aus den gesunden Seitenästen kann weiterhin in die oberflächliche Sammelvene ablau- fen und über die nächsten Ver- bindungsvenen in die tiefen Bein- venen gelangen. Dort wird es auf- wärts befördert. In der Leisten- gegend kann das Blut nicht mehr in die oberflächliche Vene eintreten und fließt ausschließlich zum Herzen weiter. Die so entstandene Abflußsituation entspricht dem Blutfluß im Bein einer gesunden Person im Stehen. Es wurde somit also erreicht, daß das Blut nur einmal durch jede Vene fließen kann, es entsteht eine Einbahnstraße. Das Blut fließt nicht mehr rückwärts in die oberflächliche Vene, sie wird dadurch wesentlich entlastet. Die Vene bildet sich im Lauf von ein paar Wochen wieder auf ihr ursprüngliches Kaliber. In komplexeren Situationen sind mehrere Unterbindungen notwendig, um die zum Teil ineinandergreifenden Kreisläufe zu unterbrechen.

 

In Abbildung 5 wird gezeigt, wie das korrekte Vorgehen bei der in Abbil- dung 3 dargestellten Situation ist.

Zu beachten ist, daß die roten Pfeile in den Perforansvenen (s. Abbildung 3) jetzt durch einen blauen Pfeil ersetzt sind.

Dies bedeutet, daß durch die ge- setzten Unterbindungen der Blutfluß in den Perforansvenen in die richtige Richtung geleitet wird. Dieser Kunst- griff ist ein entscheidender Bestandteil der CHIVA-Methode.
An vielen Stellen des Beines werden die Venen zwischen 2 Unterbindungen zusätzlich durchtrennt, um dort ein erneutes Eröffnen zu erschweren und der Neubildung von Krampfadern vorzubeugen.

 

Den Unterschied zwischen CHIVA und Stripping wird in Abbildung 6 verdeutlicht, die die Situation nach dem „Stripping“ zeigt.

Bei dieser Operation werden die erkrankten Venen entfernt. Danach müssen sich die gesunden Seitenäste, die in Abbildung 5 blau dargestellt waren, neue Abflußwege suchen. Da ihr natürlicher Abfluß nicht mehr möglich ist, müssen sie rückwärts laufen, im Bild mit braunen Pfeilen dargestellt. Hierbei entstehen meist neue Krampfadern.

 

In Abbildung 7 sind die Venen in der Leistengegend dargestellt: Das etwas dickwandigere Gefäß, links im Bild, entspricht der tiefen Beinvene. In sie mündet die Vena saphena magna, die vordere oberflächliche Vene. Die Klappe ist hier in der Leiste defekt, und deswegen kann das Blut aus der tiefen Vene in die oberflächliche Vene zurücklaufen. Unmittelbar im Bereich der Leiste münden mehrere Venen in das oberflächliche Gefäß. Sie bilden den so- genannten Venenstern. Bei der Krampfaderentfernung werden diese Venen mit unterbunden. Diesen Venen kommt bei der Methode CHIVA eine wichtige Aufgabe zu. Deswegen müssen sie unbedingt erhalten werden. 

Abbildung 8 zeigt, wie die oberflächliche Vene an ihrer Mündung mit einem Faden umfahren und ein Knoten zugezogen wird (1). Anschließend wird die Vene erneut umfahren, um einen zweiten Knoten zu setzen, der etwas von dem ersten entfernt, aber trotzdem zwischen der tiefen Vene und dem Abgang der Seitenäste liegt (2). Das Blut aus den Seitenästen läuft nun in die oberflächliche Vene und vermeidet, daß sich in ihr Blutgerinnsel bilden können, weil durch die Vene – auch in ihrem oberen Anteil – weiterhin Blut fließt. 

Die Ultraschalluntersuchung
Vor dem Eingriff wird eine ausführliche Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Dabei wird festgestellt, ob die tiefen Venen durchgängig sind, und entschieden, an welchen Stellen die Krampfadern unterbunden werden müssen. Diese Stellen werden mit einem Farbstift auf der Haut angezeichnet. Es ist üblich, die anspruchsvolle Ultraschalluntersuchung direkt vor dem Eingriff zu machen, damit die angezeichneten Markierungen bei der Operation noch erkennbar sind.

Die Betäubung
Die Operation der CHIVA-Behandlung wird in örtlicher Betäubung durchgeführt, da die kleinen Schnitte keine Vollnarkose rechtfertigen. Das örtliche Betäubungsmittel wird an den Stellen unter die Haut gespritzt, wo bei der Voruntersuchung die Anzeichnungen gemacht wurden.

Die Operation
Nach Beendigung der Ultraschalluntersuchung steht fest, wo Unterbindungen gemacht werden müssen. Die Schnitte am Bein sind so klein, daß man eher von Stichen reden kann. Sie werden mit dem Skalpell gesetzt, die Krampfadern daraus hervorgezogen, unterbunden, durchtrennt und wieder versenkt. Es ist keine Hautnaht erforderlich, die Wundränder werden mit einem Klammerpflaster gehalten. Manchmal können die Krampfadern nicht durch einen Stich hervorgezogen werden, dann bedarf es eines kleinen Schnittes. Der Zugang in der Leiste und in der Kniekehle erfolgt immer über kleine Schnitte, wenn dort Unterbindungen angezeigt sind.

Nachbehandlung
Noch auf dem Behandlungstisch wird ein Kompressionsstrumpf angelegt. Der Patient steht dann auf und soll gleich laufen. So wird einer Venenentzündung am besten vorgebeugt. Selten benötigt der Patient nach dieser Operation ein Schmerzmittel. Dadurch daß die Wunden sehr klein sind, können die Patienten in der Regel am nächsten Tag wieder ihren normalen Beschäftigungen nachgehen. Lediglich Leistungssport, längeres Verharren in Hockstellung und schweres Heben sollte in der ersten Woche vermieden werden. Der Kompressionsstrumpf wird 4 bis 6 Wochen getragen.

Die Ergebnisse
Wenn die Krampfadern Beschwerden verursachen, kann man das Ergebnis der Behandlung am selben Tag spüren, da die Schwellung, die Krämpfe und der Druck sofort nachlassen. Das kosmetische Ergebnis stellt sich verzögert ein. Die Venen brauchen 2 – 6 Wochen, bis sie sich zurückgebildet haben. Besenreiser bilden sich über 3 Monate zurück, die braunen Stellen an den Beinen brauchen manchmal bis zu 6 Monaten, um ganz zu verschwinden. Sollten die Krampfadern durch eine tiefe Beinvenenthrombose verursacht sein, oder sollten zu einem früheren Zeitpunkt bereits Venen entfernt worden sein, kann man auf jeden Fall den Zustand deutlich verbessern. Sollte nach der Behandlung noch eine Vene sichtbar sein, kann man diese ohne Aufwand mit einer kleinen örtlichen Betäubung nachbehandeln.


 

Gefahren, Komplikationen und Nachteile
Die CHIVA-Methode birgt keine zusätzlichen Gefahren und ist insgesamt sehr viel harmloser als das Ziehen der Venen. Dies haben Studien erwiesen. Da der Eingriff in örtlicher Betäubung erfolgt und danach keine Bettruhe erforderlich ist, kann man auf Bauchspritzen zum Vorbeugen von tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolie verzichten. Somit schaltet man auch die Nebenwirkungen der Bauchspritzen aus. Die Venen werden nicht eröffnet – daher ist die Blutungsgefahr sehr viel geringer. Nervenschädigungen treten so gut wie nie auf.
Die CHIVA-Methode stellt hohe Ansprüche an den behandelnden Arzt. Das Erlernen der Schalluntersuchung und vor allem der Kriterien, nach denen die Unterbindungen eingezeichnet werden, erfordert oft eine lange Zeit. Jeder einzelne Patient muß darüber hinaus gesondert auf seine Flußbedingungen untersucht werden und in Einzelfallentscheidungen muß die Operationsstrategie festgelegt werden. Der Arzt ist am Operationstermin pro Patient ca. 2 – 4 Stunden beschäftigt.



Zusammenfassend kann man folgendes sagen:

  • CHIVA ist eine wissenschaftlich fundierte Methode
  • Sie ist in unseren Nachbarländern weit verbreitet
  • Ungefährliche Duplex-Sonographie als einzige Voruntersuchung
  • Vermeidung der Kontrastmitteldarstellung der Venen
  • Eingriff in örtlicher Betäubung
  • Vollständiger Erhalt der Abflußwege des Blutes aus dem Bein
  • Unwesentliche postoperative Schmerzen
  • Besseres kosmetisches Ergebnis wegen der kleinen Schnitte
  • Keine Begleitverletzungen (Lymphgefäße, Hautnerven)
  • Geringste Verletzung der Weichteile (kein Ziehen der Venen)
  • Der Eingriff kann fast immer ambulant durchgeführt werden
  • Postoperative Bettruhe ist nicht erforderlich
  • Keine oder nur kurze Arbeitsunfähigkeit

Weitere Informationen im Internet finden Sie hier




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